Zwei Welten
- Valeria Bisaccia

- vor 7 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 6 Tagen
Seit dein Baby gestorben ist, gibt es diese zwei Welten.
Es gibt die Welt, in der dein Herz jedesmal aufgeht, wie eine riesengroße Sonne, die so groß ist, dass sie kaum Platz in dir hat.
Jedesmal, wenn jemand dein Baby beim Namen nennt.
Jedes Mal, wenn du deinem Baby im Herzen einen Moment widmest.
Jedes Mal ist dieser innerliche Sonnenaufgang begleitet von einem wunden Herzen, das so sehr vermisst. Das zerfließt, weil es die Zerbrechlichkeit des Lebens nicht fassen kann.
Und begleitet von Glück - darüber, dass du die Mama sein darfst von diesem wunderbaren Kind, wo auch immer es jetzt ist.
Jedes Mal ist dieser Sonnenaufgang so viel Gleichzeitigkeit, dass es dafür niemals Worte geben wird.
Irgendwie weißt du, dass dein Baby noch so viel mehr bedeutet, als dein Umfeld denkt.
Tief in dir weißt du, dass dein Baby - so kurz sein Leben auch war - die Welt bedeutet.
Das ist die eine Welt.
Und daneben: die andere Welt.
In der du etwas verloren hast.
In der dein Körper vielleicht versagt hat.
In der die Schwangerschaft fehlgeschlagen ist.
In der Menschen denken, es gäbe Schlimmeres.
In der du erfährst: dieser Blutwert passt nicht, oder jener.
In der vielleicht Grund und Schuld gesucht wird.
In der du vorsorgst.
In der DAS nicht nochmal passieren darf.
Das ist die Welt, in der du einen Stempel hast.
Die Welt, in der alle sanft und freundlich mit dir sein wollen und dir sagen ,,natürlich bist auch du Mutter." Während du zwar die Worte hörst, aber spürst, dass sie nicht gelebt werden.
Ich will dir sagen: das ist nicht deine Welt.
Deine Welt ist die, die ich zu Beginn beschrieben habe. In der du merkst, dass du nicht mehr so sehr mit deinem Kopf denkst, sondern mit deinem Herzen erlebst.
Und es ist nicht die Welt, in der dein Herz sich intakt anfühlen muss.
Es ist Welt, in der du einfach bist und sein kannst.
Jenseits von gut oder schlecht.
Von traurig oder glücklich.
Von dankbar oder wütend.
In der dein Schmerz, dein Verlust, eure Geschichte so immens groß sind, dass dir vorkommt, dein Körper ist zu klein um all das zu tragen.
Und du merkst, dass dein Köper eigentlich nicht an der äußersten Schicht deiner Haut endet, sondern weit darüber hinaus geht.
In der du merkst, dass dein Körper so weit ist, wie das Meer, sodass alles darin Platz finden kann:
all die Liebe zu deinem Kind
all der Schmerz
all die Rührung
all die Betroffenheit
all die Wut
all die Kränkung
all die Enttäuschung
all die Dankbarkeit
all die Freude
all die Zuversicht
all die Hoffnungslosigkeit
all die Unerklärlichkeit.
all das Wunder.
DAS ist wirklich deine, eure Welt.



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