Herztöne zu Hause hören – gibt ein Baby-Doppler wirklich Sicherheit?
- Valeria Bisaccia

- 3. Aug.
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 4. Aug.
Dopton, Doppler, Baby-Doppler, Fetal-Doppler. Kennst du das kleine Gerät? Ein kleines, oft günstiges Ultraschallgerät ohne Bildschirm ,aber mit Ton. Zum Abhören der Herztöne des Babys im Bauch.
Als Hebamme habe ich so ein Dopton - wie wir Hebammen es nennen - in meiner Hebammentasche immer dabei, um bei Schwangerenvorsorgen die Herztöne des Babys abhören zu können. Und immer mal wieder erzählen mir schwangere Frauen, dass sie sich einen Fetal-Doppler gekauft haben, um selbst das Herzchen ihres Babys abhören zu können.
Das finde ich verständlich. Und gleichzeitig bin ich ein bisschen skeptisch. Warum, erzähle ich hier.
Neben dieser Skepsis aus meiner Hebammensicht, muss ich gleichzeitig gestehen: Ich erkenne mich darin wieder. Und vielleicht bin ich gerade deswegen skeptisch. Ich selbst war eine von den Schwangeren, die ein Dopton verwendet hat. Und sicherlich öfters, als es mir gut getan hat.
Wie funktioniert ein Baby-Doppler?
Ein Baby-Doppler funktioniert mit Ultraschallwellen. Diese werden in den Bauch gesendet und von bewegten Strukturen, insbesondere dem Blutfluss im Herzen und den Gefäßen des Babys, reflektiert.Das Gerät wandelt diese Signale in hörbare ,,Herztöne" um. Es handelt sich um eine hörbar gemachte Darstellung der Herzaktivität, nicht um den echten Herzton wie bei einem Stethoskop.
Je nach Schwangerschaftswoche, Lage des Babys, Lage der Plazenta und Erfahrung/Übung gelingt das Finden der Herztöne unterschiedlich gut. Gerade im ersten Trimester und am Anfang des zweiten Trinesters ist es nicht immer einfach, die Herztöne zu finden – selbst für erfahrene Hebammen.
Warum wünschen sich viele Frauen einen Baby-Doppler?
Hinter dem Wunsch steckt meist nicht nur Neugier, sondern das Bedürfnis nach Sicherheit und die Hoffnung, durch Kontrolle mehr Ruhe zu finden. Und ich kann es sehr gut nachvollziehen.
Besonders, wenn man eine Fehlgeburt hatte oder eine stille Geburt, ist es manchmal wirklich schwierig, seinem Körper und seiner Wahrnehmung zu vertrauen. Dann erscheint die Zeit bis zum ersten bzw. bis zum nächsten Ultraschall unerträglich lang... Das kann wirklich sehr belastend sein.
Der Gedanke, den Herzschlag jederzeit selbst hören zu können, wirkt dann beruhigend. Das ist verständlich. Und es ist auch manchmal beruhigend. Eine Zeit lang zumindest.
Sicherheit und Unsicherheit
Ein Baby-Doppler kann zwar kurzfristig beruhigen, er kann aber auch neue Unsicherheit auslösen.
Wird der Herzschlag nicht sofort gefunden, entsteht schnell Angst – obwohl das viele harmlose Gründe haben kann. Das Baby kann etwas versteckt liegen, die Schwangerschaft ist noch sehr früh und das Baby liegt noch tief im Becken hinter der Symphyse (=,,Scham"beinknochen - nennen wir ihn besser Stolzbeinknochen) oder das Dopton wird an die falsche Stelle oder im falschen Winkel gehalten.
Umgekehrt kann ein gefundener Herzschlag auch eine trügerische Sicherheit vermitteln. Denn es können nicht nur die Baby-Herztöne gehört werden, sondern auch der Puls der mütterlichen Blutgefäße. Hebammen hören den Unterschied deutlich. Aber besonders, wenn man keine Erfahrung mit Fetal-Dopplern hat, kann beides ähnlich klingen.
Es haben auch nicht alle Geräte eine gute Qualität. Ich habe selbst schon erlebt, dass ich ein Dopton an mein eigenes Herz halte bei einer eigenen Herzfrequenz von 70 Schlägen pro Minute und das Gerät gibt als Ton zwar die richtige Frequenz an aber zeigt ,,120" Schläge pro Minute - eine Frequenz die bei einem Baby im Bauch zu erwarten ist.
Ein Fetal-Doppler ersetzt weder die Vorsorgeuntersuchungen noch die eigene Wahrnehmung oder die Einschätzung durch Hebamme oder Ärztin bzw. Arzt. Wenn du Beschwerden hast oder dir Sorgen machst, solltest du dich medizinisch beraten lassen – unabhängig davon, ob du zu Hause Herztöne hörst oder nicht.
Der heimliche Nachteil
Es gibt noch einen Aspekt, über den selten gesprochen wird.
Ein Baby-Doppler kann den Blick (noch mehr) nach außen lenken. Die Frage, ob mit dem Baby alles in Ordnung ist, beantworten dann nicht mehr das eigene Körpergefühl oder das Vertrauen in den Schwangerschaftsprozess, sondern ein Gerät.
Das kann dazu führen, dass wir immer häufiger nach dieser Bestätigung suchen - sobald auch nur ein Hauch von Unsicherheit auftaucht. Die Erleichterung die Herztöne zu hören ist erstmal sehr groß und hält dann aber oft nur kurz an und schon bald entsteht wieder das Bedürfnis, noch einmal nachzuhören. So kann ein Kreislauf entstehen, in dem die Kontrolle im Außen immer wichtiger wird und das Sein mit einer Ängstlichkeit unerträglich. Ich schreibe hier so ,,klug", dabei weiß ich selbst, dass das 10000 Mal leichter geschrieben ist als getan. Ich habe doch selbst voller Anspannung immer wieder kontrolliert, ob das Herzchen schlägt.
Wie schön wäre es, stattdessen dem Körper und dem Baby mehr zuzuhören. Die kleinen Veränderungen wahrzunehmen. Sich mit dem Baby zu verbinden – nicht nur über einen hörbaren Herzschlag, sondern auch über das, was man selbst spürt. Einfach über den Bauch zu streicheln und das Baby fragen ,,Wie geht es dir da drinnen?".
Ein Baby-Doppler kann diese Verbindung nicht ersetzen. Und manchmal nimmt er ihr sogar ein wenig den Raum.
Die Wahrheit irgendwo dazwischen
Wie eigentlich immer gibt es kein Schwarz und Weiß, kein Richtig oder Falsch.
Bei all den möglichen Nachteilen möchte ich auch die andere Seite nicht vergessen.
Das Hören des Herzschlags kann für manche Frauen ein sehr berührender, sehr wichtiger Moment sein. Gerade am Anfang einer Schwangerschaft ist der Babybauch nocht nicht sichtbar und die Bewegungen noch nicht spürbar, vielleicht sind sogar wenige Schwangerschaftssymptome vorhanden. Das Hören des Herzschlags kann helfen, dieses kleine Menschlein im eigenen Bauch mehr als Wirklichkeit zu begreifen. Für manche Frauen entsteht dadurch ein erstes Gefühl von Verbindung.
Besonders nach einer Fehlgeburt oder stillen Geburt oder in einer Folgeschwangerschaft kann es schwer sein ,,das Gute" zu glauben, weil die Angst manchmal überwältigend groß ist. Das Hören des Herzschlages beruhigt wahrscheinlich nicht nachhaltig, aber es kann einen Moment der Ruhe schenken und dabei helfen, wieder durchzuatmen und durch dieses kurze Entspannung des ganzen Systems, kann Vertrauen vielleicht wieder ganz natürlich wachsen.
Ich habe es in meiner Arbeit auch schon erlebt, dass die Angst vor einem anstehenden Ultraschalltermin so groß war, dass sie am Tag davor und am selben Tag ihren Höhepunkt erreicht hat und kaum mehr auszuhalten war. Schon ein paar Mal haben mich Schwangere dann gefragt, ob ich am Tag vor dem Ultraschalltermin oder sogar am selben Tag einen Hausbesuch machen kann, um in Ruhe sicherzustellen, dass das Herzchen schlägt. In ihrer vertrauten Umgebung, mit Ruhe und ohne Zeitdruck, konnten wir gemeinsam den Herzschlag hören und Raum für alle Gefühle schaffen, die damit verbunden waren. Die Stunden vor dem Ultraschalltermin, die Fahrt dorthin und der Termin selbst konnte dann oft viel entspannter erlebt werden. Aber natürlich unterscheidet sich dieses ,,Pro-Dopton-Argument" von den anderen, denn hier benutze ich als Hebamme das Dopton. Ich möchte nur zeigen, dass es manchmal doch hilfreich sein kann, ein Dopton bei Ängsten zu verwenden.
Ein Dopton ist also nicht grundsätzlich gut oder schlecht. Entscheidend ist, wie er genutzt wird und was er in dir auslöst.
Mein Fazit
Ob ein Baby-Doppler für dich sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Vielleicht schenkt er dir schöne Momente der Verbindung mit deinem Baby.
Vielleicht merkst du aber auch, dass du immer häufiger kontrollieren möchtest oder dass die Angst größer wird, wenn du den Herzschlag nicht gleich findest.
Wenn das so ist, lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und dich zu fragen, was du dir eigentlich von dem Gerät erhoffst.
Denn die Sehnsucht nach Sicherheit ist verständlich. Aber sie lässt sich selten durch Kontrolle stillen.
Wenn du unsicher bist oder dich Ängste in deiner Schwangerschaft stark belasten, sprich mit deiner Hebamme oder deiner Frauenärztin bzw. deinem Frauenarzt.
Meine persönliche und fachliche Erfahrung hat mich jedenfalls gelehrt, dass ein Fetal-Doppler zwar ein Gerät sein kann, das schöne Momente ermöglicht – dass er aber die Angst nicht auflösen kann.
Wenn du nach einem Verlust wieder schwanger bist und dir mehr Ruhe und Verbindung zu deinem Baby im Bauch aber auch zu deinem Sternenkind wünschst, habe ich eine Audio-Begleitung für dich.



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