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Schwanger nach Verlust: Warum sich diese Schwangerschaft anders anfühlt.

Aktualisiert: 21. Juni

Ich erinnere mich gut an meine Folgeschwangerschaft. Ich war die Frau, die es nicht ausgehalten hätte, einen normalen Schwangerschaftskurs zu besuchen.

Und die, die beim Betreten eines Krankenhauses Herzrasen bekam.

Die zwischen tiefer Zuversicht und großer Angst hin- und hergeschwankt ist. Manchmal innerhalb weniger Minuten.


Nach außen hat das kaum jemand gesehen.

Ich habe, glaube ich, es manchmal selbst nicht erkannt, wie es mir wirklich geht.

Ich habe oft funktioniert.

Bin zu meinen gynäkologischen Terminen gegangen, habe sogar noch eine Weile gearbeitet.

Habe mich viel um Organisatorisches gekümmert.

Versucht ,,alles im Griff“ zu haben.

Habe meinen Bauch gestreichelt.


Und habe mir heimlich gewünscht, ich könnte diese Schwangerschaft überspringen.

Bis zu dem Moment nach der Geburt. Ich wollte mein Baby so dringend sicher und lebendig in meinem Arm wissen.


Ich war wachsam.

Ich habe in mich hinein gelauscht, sehr oft. Kein angenehmes, achtsames Lauschen. Sondern ein Prüfen. Ich habe versucht jede Körperwahrnehmung zu interpretieren: Ist das ein gutes Zeichen oder ein schlechtes?


Und immer wieder ging es mir schlecht. Innerlich fühlte ich manchmal ein Rasen, als würde ich unter Strom stehen.


Ich hatte das Gefühl, dass ich viel zu viel fühle und mein Herz wund und offen vor mir hängt und Gefahr läuft, dass es erneut gebrochen wird und gleichzeitig hatte ich das Gefühl ich fühle zu wenig - zu wenig Freude über mein Baby, zu wenig Hoffnung, zu wenig Zuversicht, zu wenig Verbindung.

Ich war sehr hart zu mir. Das sehe ich jetzt.


Ich wollte selbst vor mir selber nicht wirklich zugeben, wie es mir ging. Und somit erzählte ich es auch niemanden.


Damals dachte ich manchmal, mit mir stimmt etwas nicht.

Heute, ein paar Jahre später sehe ich das alles anders.


Heute denke ich:

Natürlich war das so.

Wie hätte es anders sein sollen?


Wenn du nach einer Fehlgeburt, nach einer stillen Geburt, nach einem Schwangerschaftsabbruch aus medizinischer Indikation, nach dem frühen Tod deines Babys wieder schwanger bist, dann trägst du etwas mit in diese Schwangerschaft hinein.

Eine Geschichte.

Deine Geschichte.

Eure Geschichte.

Du fängst nicht bei Null an.

Du kommst mit viel verkörperter Erfahrung.

Mit vielen Erinnerungen.

Mit sehr viel Liebe.

Und mit einem Kind, das zu dir gehört.

Und: mit dem herzzerreißenden Wissen, dass Schwangerschaft nicht immer mit einem lebenden Kind endet.


Das verändert etwas. Nicht nur im Kopf, sondern auch und vor allem im Körper.


Vielleicht erkennst du dich selbst kaum wieder.

Beobachtest deinen Körper genauer als früher.

Zählst Wochen und Tage.

Wartest auf Untersuchungen und den nächsten Beweis am Ultraschall, dass dieses Kind lebt.

Vielleicht analysierst du Symptome und recherchierst sie.

Vielleicht merkst du, dass sich etwas in dir sehr angespannt anfühlt.


Vielleicht willst du, wie ich, die Zeit vorspulen.

Vielleicht traust du dich nicht, dich auf dieses Baby einzulassen

Und wünschst dir Gewissheit.

Und gleichzeitig weißt du längst, dass Gewissheit etwas ist, das Schwangerschaft nur begrenzt schenken kann.


Manche erschrecken über ihre eigene Wachsamkeit und ihre Nervosität, wo sie früher doch ganz anders waren.

Für mich ergibt das Sinn.

Denn dein Körper erinnert sich.

Und dein Nervensystem erinnert sich.


Es erinnert sich daran, wie sehr du geliebt hast.

Und es erinnert sich daran, wie es sich anfühlt, wenn die Welt, die gerade noch schön war, innerhalb einer Sekunde wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.

Und wie sehr es wehgetan hat. Wie bedrohlich sich das angefühlt hat.


Deshalb möchte ich dir etwas sagen, das ich selbst damals lesen hätte wollen:


Deine Angst bedeutet nicht, dass etwas nicht stimmt.

Sie bedeutet nicht, dass du negativ denkst.

Sie bedeutet nicht, dass du deinem Baby nicht vertraust.

Und sie bedeutet auch nicht, dass du einen weiteren Verlust erleben wirst. Es ist nicht deine Intuition, die du da wahrnimmst.


Die Angst und die Wachsamkeit bedeuten zunächst einmal nur, dass etwas in dir versucht, dich zu schützen.

Mehr nicht.

Aber auch nicht weniger.


Manchmal erzählen Frauen mir, sie würden so gerne wieder vertrauen. Sich wirklich einlassen auf dieses Baby. Voller Zuversicht sein, so wie es vielleicht in der ersten Schwangerschaft war.

Einfach schwanger sein, genießen, vertrauen, dass alles gut wird.


Ich verstehe diesen Wunsch und diese Sehnsucht so gut.

Und gleichzeitig frage ich mich oft, ob wir Frauen nach einem Verlust damit nicht etwas Unmögliches von uns selbst abverlangen. Und das widerum viel Widerstand in uns erzeugt, viel Energie kostet und sich wie ein Kampf gegen unser Inneres anfühlt.


Vertrauen ist kein Schalter.

Man kann es nicht beschließen.

Vertrauen wächst. Langsam und zwar in kleinen Momenten und wenn wir uns ausreichend ruhig und sicher fühlen.


Manchmal gibt es kleine Vertrauensmomente während eines Spaziergangs. Oder beim Blick auf den eigenen Bauch.

Vielleicht in einem Augenblick, in dem für einen - wenn auch kurzen - Moment Ruhe da ist. Meist sind das Moment, in denen wir nicht nach aktiv Verbindung und Vertrauen suchen. Sondern uns erlauben, einfach wir zu sein und uns zu fühlen, wie wir uns eben fühlen.


Und manchmal reicht dieser kurze Moment, dass unsere Perspektive sich etwas ändert und wir kurz durchatmen können uns spüren:

Auf eine ganz eigene Art und Weise ist alles gut.


Ich glaube nicht, dass das Ziel darin bestehen sollte, keine Angst mehr zu haben.

Ich glaube wirklich hilfreich ist etwas anderes:


Zu verstehen, dass Angst da sein darf.

Und absolut verständlich ist.

Und gleichzeitig nicht alles ist.

Dass Freude da sein darf.

Dass Trauer da sein darf.

Dass Hoffnung da sein darf.

Dass Neid da sein darf. Und Wut.

Dankbarkeit und Verzweiflung.

Oft sogar gleichzeitig.


Und dass keines dieser Gefühle etwas darüber aussagt, wie diese Schwangerschaft ausgehen wird. Und wie du als Mutter bist.


Wenn du gerade in einer Folgeschwangerschaft bist und dich fragst, warum alles so viel schwerer ist als bei anderen (oder zumindest schwerer als es bei anderen zu sein scheint) :


Es liegt daran, dass du ein Baby bereits geliebt hast und immer noch liebst und auch dein Baby, das jetzt im Bauch ist, liebst.

Und weil du liebst, weißt du, was auf dem Spiel steht.

Das macht diese Schwangerschaft nicht schlechter oder weniger wundervoll.

Aber anders.


Wenn du dir Begleitung für diese Schwangerschaft wünschst, dann darf du dich gerne bei mir melden.


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