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10 Tipps für dein erstes Trauerjahr

Aktualisiert: 13. Juni

Tipps um ein kleines bisschen leichter durch das erste Jahr nach Fehlgeburt, Schwangerschaftsabbruch, stiller Geburt oder dem frühen Tod eines Kindes zu kommen.


Eins vorab: Die Trauer ist nach einem Jahr nicht vorbei.


Die Trauer bleibt, denn auch die Liebe zu deinem Baby bleibt. Und Trauer ist viel mehr als „nur“ traurig sein. Trauer umfasst unzählige Gefühle: Sehnsucht, Wut, Verzweiflung, Schuld, Liebe, Dankbarkeit, Erschöpfung, Hoffnung – manchmal alles gleichzeitig.


Trauer zeigt sich häufig auch in (körperlichen) Symptomen. Schlafprobleme, innere Unruhe, Menstruationsbeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Verspannungen, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Durchfall, Erschöpfung oder das Gefühl, neben sich zu stehen, sind keine Seltenheit.


Besonders dann, wenn wir der Trauer wenig Beachtung schenken, sucht sie sich oft andere Wege, um gehört zu werden.


Trauer ist aber nicht nur schwer. Manchmal ist sie auch ein ganz sanfter Zustand. Wie ein Fließen. Wie ein warmes Schmelzen. Wie eine stille Umarmung. Wie eine Verbindung zu dem Menschen, der fehlt. Schwer zu beschreiben, aber viele verwaiste Eltern kennen dieses Gefühl.


Jedenfalls: Trauer darf bleiben. Und Trauer ist gesund.


Vor allem (aber nicht nur) im ersten Jahr kann sich die Trauer überwältigend anfühlen. Dann können kleine Überlebenstipps hilfreich sein.


Hier ein paar Anregungen für dich:


1.) Lege dir einen Notfallkontakt zurecht

Überlege dir ein oder zwei Menschen, die besonders mitfühlend sind. Menschen, die zuhören können, ohne sofort Ratschläge zu geben oder deine Gefühle klein zu reden. Menschen, von denen du weißt, dass du sie kontaktieren darfst, wenn du ein offenes Ohr brauchst.


2.) Wähle bewusst, mit wem du Zeit verbringst

Du befindest dich in einer völligen Ausnahmesituation. Vielleicht in der herausforderndsten Zeit deines Lebens. Deine wichtigste Aufgabe ist jetzt nicht, es anderen recht zu machen, sondern so gut und gesund wie nur möglich durch dieses erste Jahr zu kommen.

Du darfst Einladungen absagen. Du darfst Abstand nehmen. Du darfst deine Energie schützen.


3.) Trinke und iss ausreichend

Trauer kostet unglaublich viel Energie. Manchmal verlieren wir dann zeitweise unseren Appetit oder vergessen zu essen und zu trinken. Versuche trotzdem, deinen Körper regelmäßig mit dem zu versorgen, was er braucht. Du musst jetzt nicht perfekt gesund essen. Hauptsache, du isst ETWAS und davon genug. Und trinkst ausreichend Flüssigkeit.


4.) Geh in die Natur

Ein Spaziergang im Wald kann helfen, wieder im wahrsten Sinne des Wortes etwas Boden unter den Füßen zu spüren. Vielleicht magst du barfuß gehen, dich erden. Spüre die kühle, dich tragende Erde. Die Natur erwartet nichts von dir und kann die ganze Schwere der Trauer tragen.


5.) Gib deinen Gefühlen Raum

Trauer möchte sich bewegen. Weine. Schreie in ein Kissen. Seufze laut. Schreib' vielleicht auf, was du wirklich fühlst. Erzähl einer Person, wie du dich fühlst. Lass die Tränen kommen. Gefühle, die ausgedrückt werden dürfen, müssen nicht dauerhaft festgehalten werden, dürfen fließen. Und fühlen sich dadurch deutlich leichter an, als wenn wir Widerstand gegen sie leisten. Es hilft niemandem, wenn du so tust, als wäre es weniger heftig, als es ist.


“What is split off, not felt, remains the same. When it is felt, it changes." - Eugene Gendlin

6.) Intuitive Bewegung

Trauer ist nicht nur emotional, sondern auch körperlich. Das, was wir innerlich erleben, können wir bewegend ausdrücken. Und Ausdruck von etwas, das innerlich da ist, ist heilsam, da das Ausdrücken eine Form von ,,dich selbst sehen, dich selbst anerkennen" ist. Schüttle Arme und Beine aus, tanze zu Musik oder bewege dich intuitiv. Oft hilft es dem Nervensystem, angestaute Anspannung loszulassen.


7.) Suche dir Begleitung

Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Deine Verlust ist keine Kleinigkeit. Es ist wahrscheinlich der größte Verlust der Welt - deiner Welt. Professionelle Begleitung kann ein geschützter Raum sein, in dem endlich alles da sein darf: die Liebe, die Sehnsucht, die Zweifel, die Wut, die Fragen, die Hoffnung,...


8.) Pflege die Verbindung zu deinem Baby

Die Beziehung zu deinem Baby endet nicht mit seinem Tod. Wahrscheinlich spürst du, dass es gut tut, in irgendeiner Weise dich mit deinem Sternenkind zu beschäftigen und Verbindung zu spüren. Manche Eltern finden es wohltuend, dem Baby etwas zu basteln, einen Brief zu schreiben, eine Kerze anzuzünden oder zu den Orten zu spazieren, an denen man in der Schwangerschaft gerne war. Du wirst deinen eigenen Weg der Verbundenheit finden.


9.) Nutze Kreativität

Malen, Schreiben, Musik, Fotografieren, Tanzen oder Gestalten können Ausdrucksmöglichkeiten sein, wenn Worte fehlen. Und wie unter Punkt 6 erklärt, ist Ausdruck etwas, das uns hilft, mehr bei uns anzukommen und das, was wir erleben, anzunehmen. Kunst muss nicht schön sein. Hauptsache sie ist ehrlich.


10.) Erlaube dir, egoistisch zu sein

Vielleicht trifft es „selbstfürsorglich“ besser. Frage dich öfter: Was brauche ich gerade? Nicht: Was erwarten andere von mir? Mache es zu deiner obersten Priorität, dass du so gut und gesund wie möglich über dieses erste Jahr kommst. Und nicht, dass du trotz deiner Trauer angenehm für Andere bist und ,,wie vorher funktionierst".


Und vielleicht ist das Wichtigste von allem: Du musst die Trauer nicht loswerden. Du musst sie nicht überwinden. Du musst nicht „wieder die Alte“ oder „wieder der Alte“ werden.

Du darfst Schritt für Schritt lernen, mit ihr zu leben.

Du wirst sehen, dass deine Welt durch dein Baby und das, was ihr erfahren habt, größer werden wird und dadurch wird es immer einfacher werden, dass in dieser deiner großen Welt deine Trauer Platz hat, ohne den ganzen Raum einzunehmen.


Trauer gut,


Valeria


Ich bin Valeria und arbeite als Hebamme.


Ich begleite Frauen einem Schwangerschaftsverlust und nach dem frühen Tod ihres Babys sowie in einer Folgeschwangerschaft.


Außerdem findest du bei mir Webinare für Sternenkindeltern, eine Schreibreise für dich und dein Sternenkind und weitere Angebote, wie zum Beispiel mein E-Book ,,ein ganzes, kurzes Leben".


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